Zwischen einer ausgeprägt hohen Flächenkonkurrenz, exorbitanten Pachtpreisen bei gleichzeitig hohem Mindestlohn von 15,63 Euro brutto pro Stunde ist regionaler Gemüsebau im kleinen Nachbarland kaum möglich. Dies wird an einem verschwindend geringen Selbstversorgungsgrad deutlich. Nach jüngsten Daten wird der Gemüseanbau von rund 88 Betrieben auf etwa 177 Hektar Fläche betrieben (Stand 2021), doch im Zeitraum des Jungmarktgärtnertreffens vom 19. bis 22. März gab es noch wenig Gemüseanbau zu sehen. Trotzdem bot sich den Teilnehmern ein vielschichtiges Bild zu den Herausforderungen der luxemburgischen Landwirtschaft und den Sonderkulturen. Der Großteil des Gemüses im westlichen Nachbarland wird im Freiland angebaut. Der geschützte Anbau in Gewächshäusern ist aktuell noch unterrepräsentiert, soll aber ausgebaut werden, so wurden die Pläne grob skizziert vom diesjährigen Einlader Tom Jungblut. Hintergrund ist der seit vielen Jahren genannte schwache Selbstversorgungsgrad des Landes bei Obst und Gemüse. Bei Erdbeeren, Zwiebeln oder Tomaten beträgt er gerade einmal ein Prozent, bei Gurken bleibt noch ein halber und bei Paprika tendiert er gegen null. Luxemburg ist zwar ein wohlhabendes, kleines Großherzogtum mit ca. 680.000 Einwohner, das aber als eines der reichsten Länder der Welt gilt durch die angesiedelten Banken und Versicherungen. Daher hat ein Großteil der Verbraucher einen Bedarf nach hochwertigen Lebensmitteln und saisonalem regionalem Gemüse. In Kooperation mit der Vermarktung wie durch La Provencale, bei dem die Teilnehmer eine Führung bekamen, und der Politik ist es möglich auch unter diesen eher schwierigen Bedingungen zu wirtschaften. Einen Blick über den Tellerrand gab es für Jungmarktgärtner bei der Besichtigung einer der größten Biogasanlagen Luxemburgs. Zudem besuchten sie Weis Colpach AGRICOL, einen Familienbetrieb, der mit Milchviehhaltung sowie weiteren Standbeinen im Ackerbau auf ca. 1.600 Hektar und erneuerbaren Energien wie Biogas und Photovoltaik sowie einem landwirtschaftlichen Maschinendienst recht breit aufgestellt ist. Beeindruckend für die jungen Gärtner war auch das familiengeführte Lohnunternehmen Reiff mit einem breiten Maschinenpark, der eindrucksvoll ausgestatten Werkstatt und der Oldtimer-Sammlung mit der wahrscheinlich weltweit größten Sammlung von Fendt Traktoren. Die Jungmarktgärtner organisieren jedes Jahr im Frühjahr eine mehrtägige informative Tour und bieten damit die Chance auch für die nächste Generation sich auszutauschen und zusammenzuwachsen ganz ohne Formalien.




