Ohne politische Gegenmaßnahmen droht ein dauerhafter Verlust heimischer Produktionskapazitäten, der kaum reversibel ist, das machten Christian Ufen und Claus Schliecker am 8. Juni 2026 im Gespräch über den Mindestlohn mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer deutlich. Beide Vorsitzenden ihrer Fachrichtungen betonten, es geht nicht primär um Lohnkosten, sondern um die grundsätzliche Zukunft des Obst- und Gemüsebaus in Deutschland. Hohe Arbeitskosten (bis zu 60 % der Gesamtkosten) setzen die Produktion massiv unter Druck. Eine Weitergabe der erhöhten Preise sei wegen der günstigeren Importe nicht möglich. Ohne Anpassungen kommt es bereits zu Verlagerung der Produktion ins Ausland, Rückgang von Anbauflächen und dem Ausstieg aus arbeitsintensiven Kulturen. Ein staatliches Nicht-Handeln begünstigt dabei den Strukturabbau. Nicole Spieß vom GLFA ergänzte, wenn die Arbeitsplätze so entfallen, sei niemanden geholfen. Das Gutachten von Prof. Dr. Picker stützt die Forderung der Branche aus rechtlicher Sicht, dass ein Abschlag vom Mindestlohn machbar wäre. Rainer sicherte zu, dass er sich der Problematik bewusst sei und er dazu mit Bärbel Bas bereits gesprochen habe. Ein Entgegenkommen der SPD sei bei der Thematik aber wohl nicht zu erwarten. Nichtsdestotrotz begrüßte er die Anregungen der Fachgruppen SPD-Abgeordnete auf Betriebe zum direkten Gespräch zu laden und dort in den Austausch zu gehen. Nur so kann man ein Einlenken erreichen. Erwähnt wurden zusätzlich zum Mindestlohn noch die Herausforderungen rund um die Berufmäßigkeitsprüfung und die nötigen Drittstaatenabkommen, um ausreichend Arbeitskräfte auch bis Ende der Saison zur Verfügung zu haben.




