Steigende Lohnkosten, wachsender Druck: Politik im Dialog mit Obst- und Gemüsebau

Die wirtschaftliche Lage im Obst- und Gemüsebau spitzt sich weiter zu: Steigende Lohn- und Betriebsmittelkosten treffen auf einen Markt, in dem höhere Produktionskosten kaum an den Handel oder die Verbraucher weitergegeben werden können. Besonders handarbeitsintensive Kulturen wie Einlegegurken, Spargel und Champignons, aber auch viele andere Gemüsekulturen stehen dadurch massiv unter Druck. Die Anbauverbände warnen zunehmend vor einem Rückgang des heimischen Anbaus und einer Verlagerung der Produktion ins Ausland. Insbesondere der steigende Mindestlohn trägt zur aktuellen Lage bei. Dazu wurde wie bereits berichtet ein Gutachten erstellt, welches einen Abschlag vom Mindestlohn für Sonderkulturen als rechtlich geboten einstuft.

Vor diesem Hintergrund hat der Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG) alle SPD-Bundestagsabgeordneten zu Betriebsbesuchen eingeladen, um direkt vor Ort über die Auswirkungen des steigenden Mindestlohns zu sprechen. Erste Gespräche fanden inzwischen sowohl auf einem Obstbaubetrieb als auch auf einem Einlegegurkenbetrieb statt.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei der Besuch des SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Schätzl auf dem Einlegegurkenbetrieb von Alois Fischhold in Bayern. Gemeinsam mit Vertretern des Landesverbandes bayerischer Feldgemüsebauer tauschte sich der Abgeordnete intensiv über die wirtschaftliche Situation der Branche aus. Im Mittelpunkt standen die stark gestiegenen Lohnkosten, die im Einlegegurkenanbau inzwischen bis zu 70 Prozent der Produktionskosten ausmachen. Auch in der Weiterverarbeitung entfallen weitere große Kostenanteile auf den Faktor Arbeit. Gleichzeitig geraten die heimischen Erzeuger immer stärker unter Wettbewerbsdruck durch Importe aus dem Ausland wie Indien.

Die Branchenvertreter machten deutlich, dass die Produktionsabläufe bereits weitgehend optimiert seien und kaum weitere Einsparmöglichkeiten bestünden. Zusätzliche Mindestlohnerhöhungen könnten daher vielfach nicht mehr aufgefangen werden. Gleichzeitig betonten sie, dass es ihnen nicht um die Abschaffung des Mindestlohns gehe, sondern um eine praktikable und rechtssichere Lösung für Saisonarbeitskräfte im Sonderkulturbereich. Grundlage der Diskussion war unter anderem das Rechtsgutachten der Universität Tübingen, das einen Mindestlohnabschlag für Saisonarbeitskräfte unter bestimmten Voraussetzungen als zulässig bewertet.

Beim Betriebsrundgang erhielt Johannes Schätzl zudem Einblicke in die Unterkünfte der Saisonarbeitskräfte und zeigte sich nach Angaben der Teilnehmer positiv überrascht über die Bedingungen vor Ort. Der direkte Austausch mit Praktikern habe geholfen, die besonderen Herausforderungen des Sonderkulturanbaus besser nachzuvollziehen. Schätzl kündigte an, die gewonnenen Eindrücke mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Agrarausschuss zu teilen.

Bereits zuvor hatte auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Johannes Fechner, einen Obstbaubetrieb besucht. Dort informierte er sich über die Arbeitsabläufe im Erdbeeranbau sowie die Bedeutung von Saisonarbeitskräften für die heimische Obstproduktion. Auch hier standen die wirtschaftlichen Belastungen der Betriebe und die Frage nach wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt.

Die Branche hofft nun, dass die Betriebsbesuche zu einem besseren Verständnis der Situation beitragen. Weitere Besuche sind geplant. Denn aus Sicht der Obst- und Gemüseerzeuger steht längst nicht mehr nur die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Betriebe auf dem Spiel, sondern die Zukunft des heimischen Sonderkulturanbaus insgesamt.

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