Gemüseexperten bundesweit diskutieren aktuelle Themen im Pflanzenschutz, der Pflanzenernährung und Bewässerung und tauschen Versuchsergebnisse aus, auf der 35. Bundesberatertagung vom 10.-12. März. Fokus dieses Jahr lag auf fehlenden Insektiziden und Herbiziden und Anpassungsstrategien sowie die Überlegungen zur Düngeverordnung und möglichen Auswirkungen auf den Gemüsebau bei ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen. Ein Diskussionsthema war der Metabolit Chloridazon-desphenyl aus dem mittlerweile verbotenen Zuckerrübenherbizid Chloridazon. Im Gemüsebau insbesondere traten im letzten Jahr Funde dieses Metaboliten auf, der jedoch grundsätzlich gesundheitlich unbedenklich ist. Doch weil das Herbizid bereits verboten ist und entsprechende Absenkung des Rückstandhöchstgehaltes erfolgte, kam es im letzten Jahr bundesweit zu Abverkaufsverboten, Sperrungen beim LEH und Vernichtung von Waren. Da in Laborberichten nur der Metabolit nachgewiesen wird und nicht der Wirkstoff selbst, ist von einer Kontamination durch Altlasten auszugehen und nicht von einer missbräuchlichen Anwendung durch den Gemüseanbauer. Das Gemüse insbesondere die betroffenen Kräuter sind aufgrund der eingehaltenen Rückstandshöchstmengen in der Regel verkehrsfähig, werden vom Handel aber aufgrund des unzulässigen Wirkstoffes häufig abgelehnt, insbesondere im Biohandel beim Überschreiten des Richtwerts 0,01 ppm. Betroffen ist nicht nur der Bio-Anbau massiv, auch der konventionelle Anbau, denn bei Audits und Prüfungen wird entweder Abdrift oder sogar die Verwendung des alten Mittels vermutet. Die Fachberater aus den Ländern glauben, dass sich der Metabolit im Wasser und Boden befindet und insbesondere in trockenen Jahren „auftaucht“. Die Fachexperten auf der Tagung waren sich einig, dass hier eine Bewertung von Metabolitfunden von Bundes- und EU-Behörden sowie eine Neubewertung der Rückstandsdefinition auf EU-Ebene für erforderlich ist und fordern, dass der Metabolit aus der Rückstandsdefinition wieder gestrichen oder zumindest getrennt vom Wirkstoff dargestellt werden sollte. So kann der Eindruck einer illegalen Anwendung vermieden werden. Die Bundesfachgruppe Gemüsebau setzt sich auf Bundesebene dafür ein, dass eine Stellungnahme der Bundesbehörden wie dem Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) oder des Bundesamts für Verbraucherschutz (BVL) veröffentlicht werden, worauf sich die Landesbehörden dann berufen könnten, um die gesundheitliche Unbedenklichkeit auch bei Funden des Metaboliten zu erklären. Weiterhin gab es intensiven Austausch zur möglichen Änderung der Düngegesetzgebung. Zum aktuellen Zeitpunkt sind aber keine konkreten Pläne zur Änderung der Düngeverordnung bekannt seitens des Ministeriums. Jedoch befürchten die Gemüseberater, dass die Besonderheiten der Sonderkulturen und deren pflanzenbauliche Physiologie und die Marktgegebenheiten, denen die Branche unterliegt, zu wenig Beachtung in der Gesetzgebung findet. Andere Themen etwas abseits der gewohnten Vorträge aus der Beraterrunde selbst, waren dieses Jahr die Neuen genomischen Züchtungstechniken, wo klar wurde, dass vor 2030/31 keine neue Sorte, die mittels Genschere erarbeitet wurde, auf dem deutschen Markt zugelassen wird allein aufgrund der Regularien und Registrierungsabläufen. Dann gab es einen weiteren interessanten Beitrag zu RNA-Pflanzenschutzmitteln, auch hier noch eine lange Wartezeit bis zu Anwendung im Gemüsebau in Deutschland, aber vielleicht ein Hoffnungsträger für die Zukunft. Am letzten Tag wiederum wurde deutlich, wie unterschiedlich Menschen Risiko und Gefahren wahrnehmen. Viele der Herausforderungen im Gemüsebau gehen auf eine hohe Risikowahrnehmung zurück insbesondere bei den Pflanzenschutzmitteln, die als chemische Pflanzengifte wahrgenommen werden. Insgesamt gab es über die drei Tage 30 Beiträge aus und um die Herausforderungen im Gemüsebau. Die hohe und rege Beteiligung der Fachberater, dieses Jahr waren es 80. Teilnehmern, zeigt aber immer wieder anschaulich mit welcher großen Expertise all diese angegangen werden und wie nach Lösungen im Sinne des Gemüsebaus gerungen wird.




