Bei einer Informationsfahrt der Bundesfachgruppe Gemüsebau ins Oldenburger Münsterland am 21. Mai 2026 mit Mitarbeitenden der Pflanzenschutzmittel-Zulassungsbehörden wurde deutlich: Dem heimischen Gemüse- und Obstbau stehen immer weniger praktikable Pflanzenschutzlösungen zur Verfügung. Die Fachgruppen fordern bereits seit Jahren eine grundlegende Überarbeitung der Zulassungspraxis, eine schnellere Anerkennung innovativer Präzisionstechnologien und verlässliche Rahmenbedingungen. Der Besuch bei Mählmann Gemüsebau zeigte eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit und Vielfalt des heimischen Gemüsebaus. Gleichzeitig machte der direkte Austausch mit der Praxis deutlich, wie stark Sonderkulturbetriebe auf funktionierende Pflanzenschutzlösungen angewiesen sind. Moderne, präzise Applikationstechnik ist in vielen Betrieben bereits heute im Einsatz. Doch regulatorisch werden innovative Anwendungen bislang kaum ausreichend berücksichtigt. Aus Sicht der Verbände besteht hier dringender Handlungsbedarf. Fehlende oder ausbleibende Wirkstoffzulassungen setzen den Gemüse- und Obstbau zunehmend unter Druck. Notfallgenehmigungen werden zum bürokratiereichen Normalfall. Gerade in Sonderkulturen stehen den Betrieben immer weniger praktikable Werkzeuge zur Verfügung, um Schaderreger wirksam zu kontrollieren und Resistenzen vorzubeugen. Das gefährdet nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Produktion, sondern perspektivisch auch die regionale Versorgung mit frischem Obst und Gemüse aus Deutschland. Besonders kritisch ist die Lage im Bereich der Insektizide, aber auch bei Herbiziden und Fungiziden. Aufgrund der EU-weit restriktiven Zulassungsanforderungen ist es nahezu unmöglich geworden, neue Wirkstoffe zur Zulassung zu bringen. Gleichzeitig sind viele wichtige Wirkstoffe bereits vom Markt verschwunden. Die Folge: Bekämpfungslücken nehmen zu, Resistenzen werden begünstigt, und Schaderreger und Krankheiten wie Blattläuse in Salaten, Zikaden und Thripse, aber auch Falscher Mehltau lassen sich vielerorts kaum noch ausreichend kontrollieren. Für die betroffenen Betriebe bedeutet das ein erhebliches Produktionsrisiko. Die Bundesfachgruppen Obst- und Gemüsebau fordern daher erstens eine dringende Überarbeitung der Zulassungskriterien insbesondere für Insektizide. Zweitens müssen digitale und technische Innovationen in der Regulierung endlich stärker berücksichtigt werden. Präzisionsgesteuerte Applikationstechniken ermöglichen eine punktgenaue Ausbringung, reduzieren Risiken und sollten regulatorisch aktiv gefördert statt ausgebremst werden. Nur wenn Zulassungsrecht und technischer Fortschritt künftig besser zusammenwirken, lässt sich das Potenzial moderner Pflanzenschutzstrategien für Umwelt, Betriebe und Verbraucher gleichermaßen nutzen. Der Austausch im Oldenburger Münsterland hat erneut gezeigt, wie wichtig der direkte Dialog zwischen Praxis, Behörden und Politik ist. Die Bundesfachgruppen werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass die besonderen Anforderungen des Gemüse- und Obstbaus in Zulassungsverfahren und politischen Entscheidungen angemessen berücksichtigt werden. Ziel bleibt ein Pflanzenschutz, der praktikabel, innovationsfreundlich und zukunftssicher ist – und damit die heimische Erzeugung nachhaltig stärkt.




