Trauer um Otto Hespeler Unvergesslicher Einsatz für den Berufsstand

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Ein großer Vorkämpfer des kontrollierten Intergierten Anbaus für Gemüse ist am 31.05.2021 verstorben - Otto Hespeler war Gemüsegärtner und Verbandsmitglied mit Leib und Seele. Der Unternehmer und Familienmensch war eine große Persönlichkeit im deutschen Gemüsebau. Besonders als ehemaliger langjähriger Bundesvorsitzende der Fachgruppe Gemüsebau im BOG hat er in seiner Amtszeit von 1979 bis 1991 richtungsweisende Entscheidungen eingefädelt und umgesetzt. Er erkannte, dass der deutsche Gemüsebau ständig an seinem Image aktiv arbeiten muss. So hat er sich stark für die Einführung des kontrollierten Integrierten Anbaus als umweltfreundliches Produktionsverfahren von Gemüse eingesetzt. Als Initiator und Mitautor der Leitlinien und den darauffolgenden bundesweit verbindlichen Richtlinien bleibt er in Erinnerung. Erst viel später entstand daraus der QS-Leitfaden. Zur damaligen Zeit war es ein Novum, dass ein gärtnerischer Berufsstand sich freiwillig kontrollierbare Regeln zum umweltschonenden Anbau auferlegte, die über das gesetzliche Maß hinaus gingen. Eine gewaltige Anstrengung für die damals rund 21.000 Betriebe, die in Deutschland Gemüse anbauten. Alle ins Boot zu bekommen, erschien unmöglich. Seine ganze Überzeugungs- und Integrationskraft legte er dafür erfolgreich in die Waagschale. Sicherlich sei es für die Berufskollegen nicht immer einfach gewesen, den Vorstellungen Hespelers zu folgen, der in vielen Fällen mit seinen Denkansätzen der Zeit voraus war.

Ein einschneidendes Erlebnis seiner Amtszeit war die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im April 1986. Schnell mussten Empfehlungen her, denn unterschiedliche Strahlengrenzwerte für Lebensmittel im Freiland nach der Katastrophe sorgten für massive Verunsicherung der Bevölkerung. Die Gemüsegärtner beschrifteten ihre Waren mit Zusatzschildern, dass das Gemüse aus dem Gewächshaus stammt, um deutlich zu machen, dass man die Waren unbedenklich essen kann. Viele legten eine amtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung dazu – aber die Vorsicht überwog: Umsatzeinbußen von 90 Prozent bei frischem Gemüse waren die Folge. In dieser Zeit einen klaren Kopf zu bewahren, war Otto Hespelers Stärke und tat dem ganzen Berufsstand gut. Auch seinem Einsatz ist es verdanken, dass die Gemüseerzeuger für den unverschuldeten wirtschaftlichen Schaden entsprechend entschädigt wurden.

Die Zahl der Arbeitskreise und Funktionen in Verwaltungsräten, Vorständen und Verbänden, in denen er tätig aktiv war, waren vielfältig und verantwortungsvoll. Bundesvorsitzender Hespeler war oftmals Impulsgeber für machbare Lösungsansätze. Meilensteine setzte und Herausforderungen meisterte Otto Hespeler in seiner Amtszeit. So ist auch die Liste der Ehrungen lang, die Otto Hespeler für seinen außergewöhnlichen Einsatz entgegennehmen konnte. Das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Staatsmedaille des Landes Baden- Württemberg und die Ehrenmedaille für hervorragende Dienste des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) gehören unter anderem dazu. Stets liebevoll unterstützte ihn seine Familie, besonders Ehefrau Lore Hespeler. Mit nunmehr 92 Jahren ist Otto Hespeler verstorben. Doch die Erinnerung an ihn trägt sich weiterhin fort in seinen Errungenschaften für den Berufsstand und in seiner Familie.

 

„Er hat dem deutschen Gemüsebau den Weg in die Zukunft gewiesen, er hat die Perspektiven aufgezeigt, er hat die Basis für einen auch weiterhin erfolgreichen deutschen Produktionsgartenbau geschaffen.“

ZVG-Präsident Karl Zwermann, Laudatio zu Ehren von Otto Hespelers, 1991, beim Überreichen der Goldenen Ehrenmedaille zum Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender

 

Sein Bild zum deutschen Gemüsebau verglich er manchmal mit einer Schubkarre. Beide stehen auf drei Beine. Der Freilandgemüseanbau, der Unterglasanbau und der Vertragsanbau für zu verarbeitendes Gemüse. Diese drei tragenden Säulen bilden auch heute noch da

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