Gemüsebauerhebung 2020 zeigt: Strukturwandel schreitet voran

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| Betriebswirtschaft

Im deutschen Gemüseanbau macht sich der Strukturwandel deutlich bemerkbar. Darauf weist die Bundesfachgruppe Gemüsebau (BfG) im Hinblick auf die repräsentative Gemüsebauerhebung 2020 des Statistischen Bundesamts hin. Wie das Bundesamt in seinem ausführlichen Bericht mitteilt, nahm die Zahl der Betriebe mit Gemüseanbau im Freiland und im Gewächshausanbau gegenüber der letzten Vollerhebung im Jahr 2016 um gut 7 % von 6.580 auf 6.107 ab. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre weiterhin fort. Viele Gemüsebaubetriebe haben in den letzten Jahren ihre Bewirtschaftung aufgegeben. Die Gründe sind vielfältig. Einerseits ist die Ertragslage einzelner Kulturen durch den internationalen Wettbewerbsdruck sowie der Preiskampf zwischen Erzeuger und Handel andererseits sorgt der fehlende Pflanzenschutz und die verschärften Anforderungen und neue Verordnungen gleichermaßen für unsichere Produktionsbedienungen. Zusätzlich sind die Kosten im Energie- und Lohnbereich in den letzten Jahren gestiegen, was ein wirtschaftliches Auskommen noch schwerer macht. Die trockenen Sommer der letzten Jahre haben den Aufwand zur Bewässerung ebenfalls massiv steigen lassen. Dies sind einige Gründe, wieso viele Betriebe auch keinen Nachfolger für die Betriebe finden.

 

Wachstumsdruck: Weniger, dafür größere Betriebe

Es besteht für alle Betriebe ein gewisser Druck zu wachsen oder sich weiter zu spezialisieren, da die Erzeugerpreise für viele Kulturen stagnieren oder im Bezug zu den Kosten nicht genug steigen. Doch für den Kauf neuer Flächen oder für den Bau größerer Gewächshausanlagen wird viel Kapital benötigt, das kleineren Betrieben oft fehlt. Diese Betriebe müssen sich entscheiden, ob sie hohe Kredite aufnehmen oder aufgeben wollen. Die Entwicklung zu sehr großen und stark spezialisierten Betrieben wird sich auch zukünftig fortsetzen. Wie in anderen Wirtschaftsbereichen profitieren die verbleibenden Gemüsebaubetriebe von größeren Strukturen, besonders in Bezug auf die Kosten. Denn je mehr Flächen, desto besser sind zum Beispiel die Maschinen ausgelastet. Auch Betriebsmittel wie Saatgut bzw. Jungpflanzen Dünger oder Pflanzenschutzmittel sind im Einkauf günstiger, wenn größere Mengen bezogen werden.

So wundert es nicht, dass trotz der gesunkenen Anzahl an Betrieben die Anbauflächen und die Gesamterntemenge nahezu konstant blieb. Laut des statistischen Bundesamtes haben die Gemüsebaubetriebe in Deutschland im Jahr 2020 insgesamt 3,9 Millionen Tonnen Gemüse geerntet. Die Gesamterntemenge lag damit auf dem Vorjahresniveau und knapp 6 % über dem Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019. Insgesamt ernteten in Deutschland knapp 5.900 Betriebe auf 125.200 ha Gemüse im Freiland. Wie die Erntemenge blieb damit auch die Freiland-Anbaufläche gegenüber 2019 fast konstant. Gegenüber der letzten Vollerhebung im Jahr 2016 nahm sie aber um knapp 4 % zu. Insbesondere der Anteil von Bio-Gemüse an der gesamten Ernte ist gestiegen. Die genauen Erntemengen und Anbauflächen je Kultur kann auf der Internetseite des Statistischen Bundesamts abgerufen werden. Ausführliche Übersichten gibt es bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH.

Für die Bundesfachgruppe Gemüsebau bestätigen diese Zahlen, dass zügig an stabilen und fairen Wettbewerbsbedingungen in Deutschland gegenüber dem internationalen Handel gearbeitet werden muss und den verbliebenen Betrieben langfristige Perspektiven gegeben werden sollte, um die Vielfalt im deutschen Gemüseanbau zu erhalten.

 

Erntemenge und Anbaufläche für Gemüse ist zwar 2020 gestiegen, jedoch sinkt die Anzahl der Betriebe rasant BQ: BfG

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