BOG: Herausforderungen für das Jahr 2022 angehen

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| In eigener Sache


Der Bundesausschusses Obst und Gemüse (BOG) hat vom 26. bis 27. Oktober 2021 in hybrider Form getagt, also knapp einen Monat nach der Bundestagswahl. Gerade auch für die Landwirtschaft und den Gartenbau sind der Ausgang dieser Wahl mit Spannung erwartet worden, denn eine neue politische Konstellation bedeuten auch neue Herausforderungen für die Branche. Die Ampel- Konstellation nach dem Wahlergebnis macht allen Beteiligten klar, dass Änderungen anstehen. Insbesondere die Diskussion um die geplante Mindestlohnerhöhung von 12 € im kommenden Jahr beschäftigt die Mitglieder intensiv. Das wurde bei der BOG-Sitzung unter Leitung des Vorsitzenden Jens Stechmann deutlich. Unter anderem referierte Frau Spieß (GLFA/DBV) zum Thema Saisonarbeitskräfte und besagtem Mindestlohn. Sehr kritisch wird der Eingriff in die Tarifautonomie gesehen, welcher einen geltenden Beschluss der Mindestlohnkommission übergehen würde. Die Mitglieder des Ausschusses äußerten die Befürchtung, dass Sonderkulturen wie Himbeeren, Heidelbeeren, Einlegegurken und andere vergleichbare Kulturen mit arbeitsintensiver Produktion schleichend aus dem Anbau verschwinden werden, sofern die gestiegenen Lohnkosten nicht weitergegeben werden können.

Die Konsequenzen für den regionalen und saisonalen Anbau von Obst und Gemüse müssen an die Verantwortlichen herangetragen werden, einigten sich die Ausschussmitglieder. Die notwendigen Preiserhöhungen im Handel sind kaum - und wenn, dann nur zeitverzögert - durchsetzbar. Die Preisgrenzen sind auch in der Direktvermarktung in den vergangenen Jahren wiederum deutlich geworden. Im harten internationalen Wettbewerb wird es damit für den deutschen Obst- und Gemüsebau noch einmal deutlich schwieriger, sich zu behaupten. Viele der vorhergesagten Zustände aus der Einführung des Mindestlohns sind jedoch nicht Realität geworden. Es ist deshalb wichtig, beim Blick in die Zukunft nicht in Panik zu geraten, sondern einen kühlen Kopf zu bewahren und Lösungen anzubieten, betonte Stechmann zum Abschluss der regen Diskussion. In der kommenden Regierungsperiode werden auch andere Themen eine große Rolle spielen werden. Dazu gehöre das Klima und damit auch die Ernährung, die ein wichtiges Handlungsfeld in diesem Komplex darstellen werde. Eigentlich Themen bei denen der regionale Obst- und Gemüseanbau Chancen einzuräumen sind. Diskutiert wurde daher über aktuelle Ernährungstrends in Deutschland anhand ausführlicher Abbildungen der AMI (Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH) vorgetragen von Hans-Christoph Behr. Erstmalig befassten sich die Ausschussmitglieder mit vegetarischen und veganen Alternativen zu Fleisch und Milch, da diese Fleischersatzprodukte einen erheblichen Nachfrageanstieg in deutschen Haushalten in den vergangenen drei Jahren erzielen konnten.

Pflanzliche Milchalternativen aus Hafer, Soja usw., aber auch Fleischersatz für Wurst und Geflügel sind bei jungen Käuferschichten enorm beliebt. Leider profitiert Obst und Gemüse bisher wenig von diesem Trend, weil es nicht als Ersatz für Fleisch oder Milchprodukte angesehen wird, sondern als Snack oder Beilage, erläutert Behr. Ausnahme wären eventuell Pilze bei Fleischersatz. Weiterer Trend ist der langfristige und stabile Anstieg des Qualitätsbewusstseins der Verbraucher, wovon Frischgemüse und -obst wiederum profitieren. So haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass bei Obst und Gemüse Premium Sortimente schneller wachsen als Standardprodukte. So werden Cocktail- und Cherrytomaten immer beliebter, aber auch Clubsorten bei Äpfeln im Vergleich zu Standard-Sorten finden immer mehr Absatz. Insgesamt verlieren Discounter seit einigen Jahren Marktanteile auch während der Corona-Pandemie, wenn es um die Einkaufsstätten für frisches Obst und Gemüse geht. Weiteres Diskussionsthema war die Herkunftskennzeichnungen von Obst und Gemüse und deren langfristige Wirkung auf die erfolgreiche Vermarktung heimischer Produkte.

Ein weiteres neues und interessantes Thema womit sich die Vertretung des deutschen Anbaus befassten, war die ungewollte Eintragung von Plastik- und Kunststoffen in landwirtschaftlich genutzte Böden. Dafür stellte Jürgen Bertling des Fraunhofer Umsicht Instituts seine umfangreichen Studienergebnisse vor. Beispielsweise war nicht allen Beteiligten klar, welche Kunststoffarten und -mengen mit umhüllten Düngemitteln auf die Anbauflächen gelangen und inwiefern Flockungsmittel in Kläranlangen genutzt werden und durch Klärschlamm in landwirtschaftliche Böden kommen.  Zu Besuch war auch der neue QS-Geschäftsführer Dr. Hinrichs welcher sich zu den zukünftigen Plänen und der allgemeinen Ausrichtung des Prüfsystems äußerte. Der Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG) ist das gemeinsame Gremium vom Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG), dem Deutschen Bauernverband e. V. und dem Deutschen Raiffeisenverband e. V. für die Interessenvertretung des erwerbsmäßigen Obst- und Gemüsebaues gegenüber der nationalen und europäischen Politik. Die nächste Sitzung des BOGs findet im April 2022 statt.

 

Herausforderungen für das Jahr 2022
Arbeitsintensive Kulturen wie Heidelbeeren, Himbeeren oder auch Einlegegurken und Champignons verteuern sich mit dem Mindestlohnanstieg in der Produktion sprunghaft

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